Ausrüstungskurs und Basics des richtigen Paddelns 31.05.2020


Ausrüstungskurs und Basics des richtigen Paddelns 31.05.2020

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- Teilnahme am Workshop für 1 Person
- Ausrüstungskurs (in Abstimmung zum Sortiment von kanu-funsport) mit Einweisung der Handhabung beim Paddeln
- Paddel-Tipps und Ausrüstungs-Empfehlungen
- max. 10 Teilnehmer
- Kursgebühr 79 €
 

AUSRÜSTUNG FÜR WINTERPADDELFREUDEN
von Detlef Stöcker

Der kalten Jahreszeit trotzen
Kaum ist der Herbst vorbei, hält auch schon der Winter Einzug. Bei vielen Paddlern wächst dann der Wunsch nach Verlängerung der Kanusaison. Mit den Ausrüstungsempfehlungen von Detlef Stöcker sollte es gelingen.

Wie oft stand ich früher im Winter am Ufer und wartete auf den Eisaufbruch, darauf, dass die schreckliche bootlose Zeit enden möge. Irgendwann »lief« der Bach – also rein in den ultradicken 7-mm-Long-John, die passende Taucherjacke und die nichtminder unbewegbaren
dicken Taucherhandschuhe übergestülpt und ab aufs Wasser. Ja, wir hatten unseren Spaß, aber komfortabelwar das in jenen Tagen nicht. Im Herbstlicht erglühen die Uferwälder, von gelb über rot bis rostbraun reicht die Laubfärbung. Das Wasser ist schon lange abgekühlt auf Temperaturen weit unterhalb komfortablen Badewassers. Wer jetzt schwimmt, läuft ohne entsprechende Schutzkleidung und Ausrüstung Gefahr, einen Muskelkrampf zu bekommen und zu ertrinken. Also ist Selbstschutz oberste Herbst- und Winterpaddlerpflicht! Der absolute Grundsatz lautet: »Fall nicht rein!«. An diesen gilt es sich so gut als möglich zu halten, denn schon ohne Kenterung zerrt der eisige Wind an feuchten Fingerkuppen. Abhilfe schaffen hier Paddelpfötchen, die es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Die einfacheren sind aus Neopren gefertigt und ermöglichen ein leichtes Überstülpen. Die etwas wärmeren, mit Fleece gefütterten sind schwieriger anzulegen und nicht jedermanns Sache, denn all zu leicht fühlt man sich ans Paddel gefesselt – ein Gefühl, das die meisten Padder nicht mögen. Auch beim Einsteigen ins Boot und Anlegen des Paddels sind die vorher am Paddel schaft mittels Klettverschluss angebrachten und verschiebbaren Paddelpfötchen mit Bedacht zu behandeln. Sind sie erst mal verrutscht oder beim Einsteigen nass geworden, ist die Freude am Paddelpfötchen von sehr kurzer Dauer. Auf Langstrecken ohne dauerndes Ein- und Aussteigen sind gute Paddelpfötchen dennoch die angenehmste und komfortabelste Version, um für warme Hände beim Paddeln zu sorgen, denn die nackte Innenhand umfasst den Paddelschaft und nur die Außenhand wird von den Pfötchen vor Nässe und Wind geschützt. Noch vor wenigen Jahren gelang es kaum, mit Neoprenhandschuhen längerfristig um den Paddelschaft herum zu fassen, da die geraden Finger des Handschuhs dem Paddler immer eine verkrampfte Handmuskulatur-Anspannung aufnötigte, was das Paddelgefühl gegen null tendieren ließ. Die heute vorherrschende Form des vorgekrümmten Paddelhandschuhs ermöglicht ein viel besseres Paddelgefühl und hält die Hände hervorragend warm, so dass sich Paddelhandschuhe aus Neopren als erste Wahl für aktive Paddler, die kürzere Strecken paddeln und öfter wegen Portagen ein- und aussteigen müssen, empfehlen. Die Bewahrung der Körpertemperatur ist die dringlichste Aufgabe von Paddelkleidung. Wie in anderen Outdoorbereichen üblich, hat sich das »Zwiebelprinzip« auch in der Kanuszene durchgesetzt. Das bedeutet, dass die Kleidung wie die Zwiebelhäute Schicht um Schicht aufeinander aufbaut; je kälter desto mehr. Als Unterwäsche eignet sich die übliche Sportunterwäsche mit hohem Feuchtigkeitstransmissionswert. Darüber folgt die Wärmschicht aus Polartec, Aquashell oder ähnlich gearteten Materialien. Hierbei ist auch auf den Durchleitwert von Feuchtigkeit von innen nach außen zu achten. Als letzte Schicht kommt dann die Hardshell, die heute meist aus mehrlagigem Laminatgewebe mit hoher Atmungsaktivität hergestellt wird; je nach Einsatzzweck und geplantem Fahrgebiet mit oder ohne Kapuze und aus unterschiedlich geschmeidigen Geweben. Problematisch ist, dass Paddeljacken stärker beansprucht werden als Wanderjacken, da die Hauptbewegung beim Paddeln vom Oberkörper ausgeht und durch die Paddelbewegung der Stoff der Jackenärmel häufigem Aneinanderscheuern ausgesetzt ist. Das erhöht den Verschleiß. Also gilt es hier, einen geeigneten Kompromiss zwischen weicheren und festeren Stoffen zu finden. Für die schnelle Spritztour zwischendurch ist nach wie vor die klassische Neoprenhose angesagt. Auch ich fahre gern mit der körperförmigeren Neoprenhose auf kurzen Strecken, da diese nicht so viel Platz im Bein- und Fußraum beansprucht wie die weiter geschnittenen Laminathosen. Diese gibt es von normal über halbtrocken bis zu Trockenhosen, beansprucht allerdings durch den bequemeren Schnitt auch viel mehr Platz im Beinraum des Kajaks, was das Aussteigen behindern kann. Je nach geplanter Tourlänge und persönlichen Vorlieben bieten diverse Hersteller die Kombination von Trockenhose und Trockenjacke ebenso an wie den einteiligen Trockenanzug, unter dem im Regelfall auch ein »Bunnysuit«, ein einteiliger Fleeceanzug mit Mittelreißverschluss getragen wird. Wer bei Eisgang, der Gefahr des Eisgangs oder länger im Winter paddeln möchte,wird an einem Trockenanzug nicht vorbei kommen. Die modernen Schnitte und das Laminatgewebe ermöglichen große Bewegungsfreiheit und hohen Tragekomfort. Der Reißverschluss sollte diagonal über den Bauch verlaufen. Dadurch ist man in der Lage, den Trockenanzug allein anzulegen, was bei einem Rücken- oder Schulterreißverschluss kaum möglich ist. Doch Vorsicht! Wer Trockenjacke, -hose oder -anzug trägt, muss unbedingt eine Schwimmweste dazu anziehen. Im Falle einer Kenterung mit anschließendem Ausstieg aus dem Kanu besteht die akute Gefahr, dass die in der Trockenhose oder im Trockenanzug verbleibende Luft sich im Waden-/Fußbereich sammelt und den Havaristen folglich kopfunter im Wasser treiben lässt. Mein Selbstversuch, den ich vor zwei Jahren in Mecklenburg diesbezüglich durchführte, kam immer zumselben Ergebnis: Ein Überlebensanzug ohne Schwimmweste mutiert zum »Ersäufungs- oder Tötungsanzug«, ebenso wie Trockenhosen. Im Falle einer Winterkenterung gilt der eiserne Grundsatz: Wenn man das Boot nicht schnell genug wieder aufdrehen kann, aussteigen und möglichst mit Boot, im Zweifelsfall aber erst mal alleine, ans rettende Ufer – Selbstrettung geht vor. Selbstverständlich sollte man in der kalten Jahreszeit in einer Gruppe oder mindestens zu zweit paddeln. Doch wer macht das schon immer? Auch ich paddel gern mal allein imWinter, genieße die beeindruckende Stille und den Hochzeitsflug von Seeadlern oder anderen Greifvögeln.
Zu guter Letzt möchte ich noch die phänomenalste Neuerwerbung meines bisherigen Paddlerlebens vorstellen: Meine neuen Kajakstiefel, die Chota Mukluks. Keine nassen Füße mehr und herrlich warm mit guter Sohle und solider Führung am Knöchel. Die Mukluks reichen bis knapp unters Knie und bestehen aus fleecegefüttertem, geschlossenporigem Neopren. Sie sind das Beste, was ich je im Wasser amFuß hatte. Der Fuß bleibt zuverlässig trocken und dank des flauschigen Futters auch angenehm warm.
Wer sich bisher noch niemit Paddeln in der kälteren Jahreszeit anfreunden konnte, es aber dennoch gern erlebenmöchte, findet mit Sicherheit seine passende Ausrüstung bei einem der vielen Hersteller und Anbieter am Markt. Die von mir ausgiebig getesteten Trockenanzüge von Stohlquist, die Trockenhose und -jacke von Hiko Sport oder die halbtrockenen Paddel-Kapuzentroyer von Stohlquist in Kombination mit Paddelpfötchen oder Handschuhen und den herrlichen Chota Mukluks sind für mich erste Wahl und die Kleidung, der ich im Falle einer ungewollten Kenterung mein Leben anvertrauen würde – denn das ist die Frage, die sich jeder Paddler, der sich für Wintertouren interessiert, stellen muss: Welcher Ausrüstung vertraue ich mein Leben an? Und da ist billig sicher nicht das Argument, das sticht, sondern Qualität!
Detlef Stöcker

detlefstoecker

 

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